
Unsere Reise durch die Kaffeeanbauländer führt uns diese Woche von Brasilien nach Äthiopien.
In Äthiopien werden ca. 400.000 Säcke Kaffee produziert. Hauptsächlich wächst in Äthiopien die Sorte Arabica. Die Kaffeeplantagen des Landes liegen auf einer Höhe von 1300-2100 Metern über dem Meeresspiegel.
Es wird vermutet, dass Äthiopien die Urheimat des Rohkaffees ist, dieses konnte bisher aber noch nicht hundertprozentig nachgewiesen werden. Die Kaffees sind von einer einzigartigen Vielfalt und Unverwechselbarkeit. Die bekanntesten Anbaugebiete des Landes sind Gimbi, Harrar, Limu, Yirgacheffe und Sidamo. Wie es in Afrika oftmals üblich ist, wird der Rohkaffee sowohl trocken als auch nass aufbereitet. Die Rohkaffeebohnen aus diesen Regionen sind meist klein bis mittelgroß und haben eine raue Oberfläche.
In der Region Harrar werden die Bohnen zum trocknen in die Sonne gelegt, manchmal lässt man Sie auch direkt am Strauch, bis sie von der Sonne verdorrt sind. Man will es zwar nicht glauben, doch ist eine Tasse Kaffee aus diesen Bohnen ein Erlebnis. Sie hat einen relativ leichten Körper, eine fruchtige Süße und eine unglaubliche Aromenvielfalt.
Einer der Könige der Kaffeewelt ist wohl der gewaschene Rohkaffee aus dem Yirgacheffe-Gebiet. Er hat einen leichten Körper, florale Aromen mit leichten Zitrus-Anteilen bei einer nicht zu starken Säure. Ein Traum.
Nach den kleinen Auszügen aus der Kaffeewelt Äthiopiens möchte ich Ihnen jetzt das Land Äthiopien näher vorstellen. Das Wort Äthiopien kommt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie das sonnengebräunte Gesicht. Zeitweise wurde das Land im Ausland auch Abessinien genannt.
Äthiopien nimmt eine Sonderstellung in der Geographie Afrikas ein, so ist Äthiopien neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents. 50% seiner Fläche liegen höher als 1.200 Meter und sogar mehr als 25% höher als 1.800 Meter, über 5% erreichen Höhen von über 3.500 Metern. Trotz des Hochlandes herrscht hier aber immer noch ein gemäßigtes Klima.
Der Großteil des Landes wird vom Hochland Abessinien eingenommen, hier liegt auch die Hauptstadt des Landes, Addis Abeba auf eine Höhe von 2.370 Metern. Den höchsten Punkt des Landes bietet mit 4.545 Metern der Berg Ras Daschan Terara im Gegensatz hierzu liegt der tiefste Punkt des Landes in der Koba-Senke bei 116 Metern unter dem Meeresspiegel.
Durch die großen Höhenunterschiede des Landes ist das Klima hier auch relativ unterschiedlich. In den Tiefebenen ist es heiß, in den Hochebenen relativ kühl. Man kann Äthiopien in drei Klimazonen unterteilen, die tropisch-heiße Zone bis 1.800 Meter, die warm-gemäßigte Zone von 1.800 – 2.500 Metern und die kühle Zone ab 2.500 Meter.
Der größte See Äthiopiens ist der Tanasee, der tiefste See des Landes ist der Shala, ein Kratersee. Die wichtigsten Flüsse die durch Äthiopien fließen sind der Akobo, der blaue Nil, der Juba, der Omo, der Tekeze und der Wabi Shebelle.
Äthiopien hat neun Nationalparks, diese Schutzgebiete werden durch etwa 100 weiter nationale Schutzgebiete ergänzt. Der wohl bekannteste Nationalpark Äthiopiens ist der Simien-Nationalpark, der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.
Äthiopien ist auf Grund seiner verschiedenen klimatischen Verhältnisse die Heimat für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Von der Savanne über immergrüne Feuchtwälder bis hin zu Regionen mit alpinem Klima haben sich viele Lebensräume etabliert. So ist Äthiopien eines der acht Genzentren der Erde und seine Flora umfasst ungefähr 7.000 Pflanzenarten, über 20 Kulturpflanzen stammen aus Äthiopien. Unter den zahlreichen Tierarten sind 30 Säugetierarten, 23 Vogelarten, 3 Reptilienarten und 17 amphibische Arten endemisch.
Die größten Städte des Landes sind die Hauptstadt Addis Abeba mit 2.757.807 Einwohnern, Dire Dawa mit 252.347 Einwohnern, Nazret mit 214.034 Einwohnern und Bahir Dar mit 168.929 Einwohnern.
Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung setzt sich aus ungefähr 80 ethnischen Gruppen zusammen. Im 20. Jahrhundert galten die Amharen als Staatsvolk, obwohl sie nur zwischen 20 und 30% der Bevölkerung stellen. Zusammen mit den Tigray, die ca. 10% der äthiopischen Bevölkerung ausmachen, siedelten sie im nördlichen Hochland an. Die zahlenmäßig größte Ethnie bilden allerdings die Oromo, sie stellen über 40% der Bevölkerung Äthiopiens.
In Äthiopien werden über 80 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Amharisch, es wird als Muttersprache von ca. 17 Mio. Menschen gesprochen, als Zweitsprache nochmals von 4 Mio. Menschen. Englisch ist Bildungssprache und wird in den Oberschulen als Unterrichtssprache verwendet.
Die wichtigsten Glaubensgemeinschaften sind die äthiopisch-orthodoxen Christen und die sunnitischen Muslime. Dazu kommen noch Katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische Kirche und Anhänger von Naturreligionen. Diese Teilen sich in 45-50% Muslime, 35-40% orthodoxe Christen, 12% Animisten und 3-8% Sonstige auf.
Das östliche Afrika wird von vielen Paläanthropologen als die Wiege der Menschheit bezeichnet. Lange bevor es Schrift gab oder Überlieferungen, auf die wir uns heute beziehen können, gab es auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens Menschen und Vormenschen. Zahlreiche Überreste solcher Vormenschen wurden in Äthiopien gefunden.
Als eines der bedeutendsten „Weltreiche“ der Spätantike gilt das nordäthiopische Reich von Axum, das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war.
Im Zuge des Kolonialismus hatte sich Äthiopien immer wieder der Einflussnahme europäischer Mächte zu erwehren. Die wohl größte Schlacht gab es 1935, als die Italiener unter Mussolini versuchten Äthiopien zu erobern. Dieses geschah unter massivem Einsatz von Giftgas, das auch gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde. Trotz dieser Maßnahme gelang es den Italienern aber nie das ganze Land zu kontrollieren. Insgesamt vielen dem völkermordartigen Vorgehen der Italiener rund 700.000 Äthiopier zum Opfer.
Äthiopien blickt auf Jahrtausendealte Tradition zurück. Es gilt nicht nur als Wiege der Menschheit sondern auch als Ursprungsland des Kaffees. Durch seine christlichen Traditionen und die historische Isolation unterscheidet sich Äthiopien kulturell deutlich von den Staaten Schwarzafrikas.
Äthiopien ist bekannt für seine Malerei, diese eigene Kunstform hat eine lange Tradition und ist eng mit der bewegten Geschichte des Landes verknüpft. Die für Schwarzafrika untypische Malerei und die Anfertigung feiner Kunsthandwerksarbeiten haben Ihre Wurzeln im alten nordafrikanisch-vorderasiatischen Kulturbereich.
Die „andere afrikanische Musik“ aus Äthiopien unterscheidet sich stark von den bekannten Rhythmen Westafrikas. Gespielt wird sie von Azmari genannten Sänger-Poeten, die durch das Land ziehen und ihre musikalische Kultur erhalten und verbreiten.
Äthiopien hat eine lange Tradition von ausgezeichneten Langstreckenläufern und Läuferinnen. 20 Sportler aus Äthiopien gewannen bis 2004 31 olympische Medaillen. Zudem zählen Fußball und Volleyball zu den beliebtesten Sportarten. Typische äthiopische Sportarten sind Genna, eine Form des Hockeys, sowie Gugs, ein Reiterspiel.
Das Land hat aber auch mit Problemen zu kämpfen, so hat es zwar eine geringe Rate an gewaltsamer Kriminalität, dafür aber eine sehr hohe Rate an Kleinkriminalität, wie z.B. Taschendiebstahl oder Trickbetrügereien. Zusätzlich kommt es zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen des Öfteren zu bewaffneten Konflikten. Zudem ist Äthiopien eines der ärmsten Länder der Welt, schätzungsweise 49% der Bevölkerung sind unterernährt. Die Infektionsrate von AIDS lag 2006 bei ca. 6,6% bei der erwachsenen Bevölkerung. Damit sind in Äthiopien etwa drei Millionen Menschen infiziert.
Es würde mich freuen wenn ich Ihnen das Land etwas näher bringen konnte und Sie nächste Woche mit mir auf die Reise nach Hawaii kommen.



